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KiDiT
Kidit-logo
http://www.kidit.ch
Beschreibung Kinder Diagnose Tool
Sprachen Deutsch
Eigentümer Catherine Walter-Laager, Manfred Pfiffner, Jürg Schwarz
Urheber Catherine Walter-Laager, Manfred Pfiffner, Jürg Schwarz
Erschienen 2009/2010

Das KinderDiagnoseTool KiDiT(eingetragener Markename[1]) ist ein webbasiertes Beobachtungswerkzeug für Erzieherinnen, Kleinkindpädagoginnen und Lehrpersonen der Schuleingangsphase, welches diese darin unterstützt, Kinder in der Altersspanne von 0.5 bis 8 Jahren zu beobachten sowie Lern- und Entwicklungsschritte zu dokumentieren. Das Tool wurde von den Erziehungswissenschaftlern Dr. Catherine Walter-Laager[2] und Dr. Manfred R. Pfiffner[3] sowie dem Statistiker Prof. Dr. Jürg Schwarz[4] konzipiert.

Entstehungsgeschichte Bearbeiten

Der Impuls, KiDiT zu entwickeln, gab eine empirische Studie[5], in der sich zeigte, dass ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der sozialen Beziehung vom Kind zu seiner Erzieherin und der Einschätzungs- sowie Dokumentationsqualität besteht. In dieser Untersuchung kam zu Tage, dass Lehrpersonen der Kindergartenstufe , die ihre Beobachtungen nicht oder nur wenig dokumentieren und stattdessen auf ihre Intuition vertrauen, nicht bemerkten, dass einige der Kinder keine tragfähige soziale Beziehung zu ihnen aufgebaut haben und sich bei ihren Problem oder Konflikten nicht unterstützt fühlten. Mit der Entwicklung von KiDiT haben Walter-Laager und Pfiffner angestrebt, ein konsistentes und praxistaugliches Beobachtungswerkzeug zu schaffen, welches darauf angelegt ist, dass alle Kinder beobachtet werden und dabei zwei Formen der Beobachtung kombiniert: Beschreibende, unsystematische mit systematischer Beobachtung anhand von einzuschätzenden Beobachtungspunkten und freien Notizen. Diese beiden unterschiedlichen Ansatzpunkte verfügen über verschiedene Stärken und können sich in der Kombination – so wie dies von Ingekamp[6] bereits vor rund 20 Jahren empfohlen wurde – optimal ergänzen.

Entwicklung Bearbeiten

Version 0.0 (Pilotphase) Bearbeiten

Der Entwicklung von KiDiT erfolgte im Jahre 2009/10 in mehreren Teilschritten:

  1. Planung, technische Entwicklung und Programmierung
  2. Entwicklung und Operationalisierung von Items (in Form von Aussagesätzen, die im pädagogischen Alltag beobachtbare Tätigkeiten beschreiben); beispielsweise „Das Kind begrüßt und verabschiedet sich unaufgefordert von der Lehrperson“, „Das Kind erkennt Buchstaben aus seinem Namen und weist andernorts darauf hin“ oder „Das Kind kann von einer beliebigen Zahl an sicher bis 20 vorwärts weiterzählen“.
  3. Aufruf zur Teilnahme am Pilotjahr und Zusammenstellung einer Feedbackgruppe
  4. Zehnmonatige Testphase, um:
  • die standardisierten Beobachtungspunkte und die hinterlegten Normwerte statistisch abzusichern,
  • die Benutzeroberfläche zu optimieren
  • das Nutzungsverhalten zu erfassen und
  • erste Aussagen zur Beobachtungsintensität machen zu können.

Version 1.0 Bearbeiten

Im Sommer 2010 erfolgte die Weiterentwicklung unter Einbezug der Erkenntnisse aus dem Erprobungsjahr. Folgende drei Punkte wurden besonders bearbeitet:

  1. Statistische Analyse der Items und Skalen durch Reliabilitäts- und Itemanalysen
  2. Treffen der Feedbackgruppe zur Beurteilung von KiDiT in den Punkten „Nutzerfreundlichkeit“ und „Auswirkungen der Struktur von KiDiT auf Nutzungsverhalten“ anhand von Leitfadeninterviews in drei Fokusgruppen
  3. Anhand der Ergebnisse aus der Feedbackgruppe und der statistischen Itemanalyse haben FachexpertInnen[7] die Itemauswahl überprüft und optimiert.

Version 2.0 Bearbeiten

Im Frühjahr 2011 erfolgte die zweite große Überprüfung , bei der zum einen der Sprachteil der Basisversion von KiDiT validiert und zum anderen sämtliche Items sowie die hinterlegten Normwerte statistisch kontrolliert und – wo nötig – angepasst wurden. Zudem wurde je ein Itemsatz für jüngere Kinder und für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache (DaZ) entwickelt. Diese beiden wurden im Sommer 2011 eingepflegt. Im Datensatz der aktuellen Version 2.0 befanden sich im Mai 2012 über 5.000 Kinder, die von ca. 390 registrierten Nutzern administriert werden, dabei sind über 3,4 Millionen Datenpunkte und rund 42.000 Notizen entstanden.

Funktionsweise und -umfang Bearbeiten

KiDiT bietet in der aktuellen Version ein offenes Beobachtungsverfahren in Form von offenen Notizmöglichkeiten und daneben einzuschätzende Beobachtungspunkte als Möglichkeit, systematische Beobachtungen zu machen. Mit diesem Konzept werden individuelle und kriterienorientierte Einschätzungen kombiniert. Wer sich bei KiDiT einloggt, kommt als erstes zur persönlichen Gruppenübersicht. Diese Darstellung zeigt sofort auf, welche Kinder bereits viele beschreibende, offene Notizen erhalten haben und wie viele der strukturierten Beobachtungspunkte bereits ausgefüllt wurden (Angabe in Prozenten). Die Anzahl und auch das Anspruchsniveau der strukturierten Beobachtungspunkte werden durch das Alter der Kinder bestimmt. Die Pädagoginnen können jederzeit die Beobachtungen für einzelne Kinder ihrer Gruppe auswerten, dies in verschiedenen Varianten: Sie können einen Überblick über alle freien Beobachtungen oder über alle Beobachtungspunkte als PDF-Datei generieren oder die beiden Formate miteinander verknüpfen.

Weitere Angebote Bearbeiten

Mit KiDiT mobil haben Erzieherinnen die Möglichkeit, ein KiDiT-Team in Ihre Einrichtung zu holen. Ein Teammitglied spielt mit den Kindern, das andere beobachtet mit der Erzieherin zusammen das Spiel und trägt erste Beobachtungen ins Tool ein. So werden die Erzieherinnen in die Arbeit mit KiDiT eingeführt und gewinnen einen Überblick über die einzelnen Funktionen des Tools in einer Praxiseinführung. Weiterhin werden auch KiDiT-Schulungen angeboten, dabei kommt ein KiDiT-Team in die jeweilige Einrichtung und schult die Erzieherinnen im Umgang mit der Webapplikation.

Forschungs- und Entwicklungsprojekte Bearbeiten

KiDiT treibt die Forschung in den Bereichen der Beobachtung voran. Die Forschungsprojekte verfolgen vier allgemeine Ziele:

  • Beobachtungsdokumentation erleichtern und Beurteilung auf eine fundierte Grundlage stellen.
  • Beobachtungs- und Dokumentationsverhalten von Pädagogen analysieren.
  • Zusammenhänge zwischen Beobachtungsdokumentation und Binnendifferenzierung im Unterricht erfassen.
  • Inhalte der Lehr- und Bildungspläne überprüfen.

Bei der Realisierung dieser Ziele arbeitet KiDiT mit vielen Kooperationspartner, beispielsweise Forschungsgruppen oder Einrichtungen[8], zusammen und verfolgt folgende Projekte:

  • Begleit- und Ausbildungsmaterialien zur Beobachtung und Förderung im Rahmen von KiDiT und mini-KiDiT (Das Projekt mini-KiDiT wird unterstützt und gefördert durch die Ernst Göhner Stiftung[9])
  • Starthilfe für Kinder mit Migrationshintergrund – BiLiKiD[10] (Das Projekt wird unterstützt und gefördert durch die STEO Stiftung)
  • Unterschiedliche Startbedingungen für Kinder mit Migrationshintergrund (Das Projekt wird unterstützt und gefördert durch das Bundesamt für Migration[11])
  • Beobachten und Dokumentieren in der Elementarpädagogik in idealer Form
  • Förderpraxis im Kindergarten - Vorstudie für ein Forschungsprojekt (Das Praxisprojekt wird durch die Pädagogische Hochschule St. Gallen[12] finanziert und durchgeführt)

Datensicherheit Bearbeiten

Zwischen Webserver und Browser werden die Daten per SSL übertragen. Das SSL-Zertifikat hat KiDiT von der Zertifizierungsstelle Godaddy[13] erhalten. Es werden nur ganz spärlich personenbezogene Daten gespeichert. Die Datenschutzgesetze Deutschlands bzw. der Schweiz werden eingehalten. Der Webserver und das Backup-System werden von Hetzner[14] in Deutschland gemäß branchenüblicher Standards betrieben. Sämtliche technische Sicherheitsmaßnahmen werden mindestens ein Mal im Monat durch „Future Connection[15]“ geprüft und aktualisiert.

KiDiT in der Literatur Bearbeiten

Mittlerweile liegen diverse Publikationen über KiDiT vor. So existieren beispielsweise zu zehn Bildungsbereichen Dossiers, die nach Beendigung der Pilotstudie verfasst wurden, um erste Ergebnisse darzulegen[16]. Des Weiteren bietet eine wissenschaftliche Schrift einen Überblick über Beobachten und Beurteilen in der Elementarpädagogik[17].

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. http://www.wirtschaft.ch/markenregister/KiDiT/IESP/Lindau/55236/2009/
  2. http://www.kidit.ch/uploads/media/CWL-LL.pdf
  3. http://www.kidit.ch/uploads/media/Pfiffner_M_Lebenslauf.PDF
  4. http://www.kidit.ch/fileadmin/download/Lebenslauf_Februar_2012_js.pdf
  5. Pfiffner, Manfred R. & Walter-Laager, Catherine (2009). Soziale Beziehungen und Effekte im Unterricht : Empirische Studie: Einflüsse der sozialen Beziehungen im Unterricht auf Motivation, Fähigkeitsselbstkonzept und Leistung bei Kindern und Jugendlichen. Saarbrücken: Südwestdeutscher Verlag
  6. Ingenkamp Karlheinz (1995). Beurteilungsfehler minimieren. Hamburg: Pädagogik, 3, (S. 25-30)
  7. http://www.kidit.ch/index.php?id=68
  8. http://www.kidit.ch/index.php?id=70
  9. http://www.ernst-goehner-stiftung.ch/
  10. http://www.bilikid.ch/
  11. http://www.bfm.admin.ch/bfm/de/home.html
  12. http://www.phsg.ch/web.aspx
  13. http://www.godaddy.com/ssl/ssl-certificates.aspx?ci=8346
  14. http://www.hetzner.de/
  15. http://www.fconnection.com/
  16. http://www.prokiga.ch/shop/USER_ARTIKEL_HANDLING_AUFRUF.php?darstellen=1&Kategorie_ID=55&kat_last=55&kat_aktiv=55&is_deeplink=true&javascript_enabled=true&PEPPERSESS=354524c9b2a894f4a376b8ec8d3c59de&w=1920&h=1080
  17. http://www.fachportal-paedagogik.de/fis_bildung/suche/fis_set.html?FId=955143


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